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Bioklima
Einleitung
Datengrundlage und Methoden
Interpretation und Bewertung
 

4.9.1. Einleitung

Das Bioklima ist die Summe aller auf lebende Organismen wirkenden Faktoren des Klimas. Die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungs­fähigkeit des Menschen werden davon beeinflusst. Der gesunde Mensch besitzt eine ausserordentli­che Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche at­mosphärische Bedingungen. Der Organismus er­bringt die Anpassungsleistung meist unbemerkt. Das Anpassungsvermögen von empfindlichen Per­sonen, älteren und kranken Menschen sowie von Schwangeren und Kindern wird bei extremen Be­dingungen hingegen eher überfordert.

Insbesondere im Bereich des Herz- und Kreis­laufsystems und der Atemwege werden bei ent­sprechender Prädisposition Erkrankungen ausge­löst oder verstärkt. Epidemiologische Untersu­chungen bestätigen solche Wirkungen extremer Bedingungen (Kälte, Hitze, Luftverschmutzung, Wetterwechsel) auf Morbidität und Mortalität (JENDRITZKY 1992a, 1993). Als Beispiel zeigt die Figur 4.9.1 Beziehungen zwischen Mortalitätsdaten aus Baden-Württemberg und den komplexen atmo­sphärischen Bedingungen der Wärmeabgabe des Menschen (Definition PMV siehe Kap. 4.9.2).

Fig. 4.9.1: Beziehung zwischen der täglichen Mortalitätsrate (1968-1992) zu den thermischen Bedingungen um 7 h MEZ in Baden-Württemberg (PMV = Predicted Mean Vote).

Im Hinblick auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit des Menschen ist das Biokli­ma von planerischem Interesse. Für eine klimage­rechte Vorsorgeplanung im Humanbereich, bei der diejenigen Ansprüche der Gesellschaft an den Raum behandelt werden, die in Verbindung mit Gesundheitswesen, Wohnsitzwahl, Tourismus, Wochenenderholung und Freizeit, aber auch mit Siedlungsentwicklung und Industriestandorten stehen, ist deshalb eine bioklimatologische Bewer­tung von Klimainformationen unerlässlich.