Im Vergleich zur räumlichen Variabilität der Globalstrahlung ist die Messnetzdichte zu gering, um diese mit hinreichender Genauigkeit zu erfassen. Daher wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, Fernerkundungsdaten geostationärer Satelliten zur Ableitung von Strahlungswerten zu verwenden. Seit 1985 wird beim Deutschen Wetterdienst das MÖSER-RASCHKE-Verfahren (MÖSER & RASCHKE 1984, CZEPLAK et al. 1991) im operationellen Betrieb angewandt. Die räumliche Auflösung beträgt zur Zeit etwa 8 km, die zeitliche etwa 3 bis 6 Bilder pro Tag. Die mittleren relativen Fehler betragen im Vergleich zu den Bodenmessungen in den Sommermonaten etwa 5 %, in den Wintermonaten etwa 10 %.
Monatskarten der Globalstrahlung, die aus Satellitendaten abgeleitet werden, sind aufgrund der relativ niedrigen Fehler und der besseren strukturellen Auflösung den interpolierten Karten vorzuziehen. Allerdings - das muss ausdrücklich betont werden - können aus dem bisher vorliegenden Datenmaterial des Satelliten METEOSAT allein keine strahlungsklimatischen Karten abgeleitet werden. Dafür ist die Messdauer des Satelliten seit 1985 mit zeitweiligen Unterbrechungen statistisch nicht ausreichend.
Es wurde daher zur Herstellung der vorliegenden Monatskarten folgender Weg beschritten:
- Ableitung der mittleren monatlichen relativen Globalstrahlung (G / G0) und der relativen Sonnenscheindauer (S / S0) an Bodenstationen aus Messungen des Satelliten METEOSAT aus der bisher vorliegenden Messphase.
- Berechnung der Abweichungen dieser Daten von langjährigen Monatsmitteln, die aus Messungen an Bodenstationen bestimmt wurden. Höhenreduktion der Abweichungen (Abweichungswert minus Höhenregressionswert).
- Schätzung der höhenreduzierten Abweichungen an Gitterpunkten (Maschenweite 1 km) mittels Kriging.
- Berechnung verbesserter Werte der Globalstrahlung und Sonnenscheindauer an allen Gitterpunkten durch Addition der monatlichen Abweichungen zu den aus Satellitendaten abgeleiteten Werten.
Die Berechnung der Strahlungsbilanz (Karte 4.6.9) für einen hochsommerlichen, wolkenlosen Tag wurde unter Verwendung einer Szene des Satelliten LANDSAT-TM vom 7.7.1984 (siehe Kap. 2.2.2) durchgeführt. Bei einer Überflugszeit um ca. 10.30 Uhr mittlere Ortszeit erfolgte die Aufnahme während der Aufheizphase am späten Vormittag.
Für die Landnutzungsklassifikation des REKLIP-Gebietes (Karte 3.6) wurde auf dieselbe Szene zurückgegriffen. Hierdurch besteht eine zeitliche Übereinstimmung zwischen diesen beiden Karten. Die Berechnung der Strahlungsflüsse und der Strahlungsbilanz berücksichtigt die Einflüsse durch das Relief, die Landnutzung und die Atmosphäre. Zusätzlich zu den Satellitendaten sind meteorologische Stationsdaten der Temperatur und des Wasserdampfgehaltes, ein hochauflösendes digitales Geländemodell (siehe Kap. 2.2.3) und Strahlungsmodelle verwendet worden.
Für wolkenlose Tage kann die solare Einstrahlung (G) mit Hilfe des Shortwave Irradiance Model SWIM (PARLOW 1990, PARLOW & SCHERER 1991) berechnet werden. Während sich die an den Messstationen gemessene Globalstrahlung auf eine horizontale exponierte Fläche bezieht, kann mit einem Rechenmodell die Einstrahlung reliefabhängig, d.h. unter Berücksichtigung unterschiedlicher Exposition, Steilheit und Höhenlage des Geländes modelliert werden (Karte 3.3 und Karte 3.4).
Die Albedo α, d.h. der prozentuale Anteil der von der Erdoberfläche reflektierten solaren Einstrahlung, ist eine meteorologische Grösse, die flächendeckend aus Satellitendaten abgeleitet werden kann. Wenn die Albedo α und die kurzwellige Einstrahlung für jeden Gitterpunkt bekannt sind, kann die kurzwellige Reflexion R aus R = α G berechnet werden.
Die kurzwellige Reflexion der solaren Strahlung lässt sich aus den LANDSAT-TM-Kanälen 1-4 ermitteln (siehe Kap. 2.2.2). In einem ersten Schritt wurden die aus der unterschiedlichen Reliefsituation resultierenden Beschattungs- bzw. Überstrahlungseffekte minimiert (PARLOW 1991). Dadurch zeichnen sich Flächen gleicher Landnutzung unabhängig von ihrer Stellung im Relief durch ähnliche Reflexionsintensitäten aus.
In einem weiteren Schritt wurde aus den so korrigierten LANDSAT-Kanälen 1-4 durch arithmetische Verknüpfung der Spektraldaten mit der Beziehung
R* = 0,62 K1 + 1,21 K2 + 0,92 K3 + 0,88 K4
[4.11]
die Intensität der kurzwelligen Reflexion R* berechnet, die den Spektralbereich von 0,45-0,9 µm abdeckt.
Da im Rahmen des REKLIP mit denselben Satellitendaten eine Landnutzungsklassifikation bearbeitet worden ist (Karte 3.6), war für jeden Gitterpunkt die zugehörige Landnutzungsklasse bekannt. Damit konnten zahlreichen Klassen, die nur eine kleine Schwankungsbreite der Albedo aufweisen, aus der Literatur Albedowerte zugewiesen werden. Diese Zuordnung erfolgte über ein Regressionsverfahren, das von einem linearen Zusammenhang zwischen digitalem Zahlenwert R* und der Albedo ausgeht (Fig. 4.6.1).
Fig. 4.6.1: Regression zwischen Albedo und R*.
Die Regressionsanalyse ergab folgende Zuordnungsfunktion zwischen R* und der dazugehörenden Albedo α:
α = 0,00095 R* - 0,03636
[4.12]
Die mittlere Albedo im REKLIP-Gebiet an diesem Sommertag betrug 0,14.
Die atmosphärische Gegenstrahlung (A) stellt eine Grösse dar, die in der Regel nicht im Rahmen der operationellen Messungen der Wetterdienste gemessen wird. Sie verändert sich vor allem mit der Höhe und lässt sich für wolkenlose Tage mit Hilfe der Lufttemperatur und des Dampfdruckes parametrisieren. Die Berechnung der Gegenstrahlung erfolgt über folgende Formel (BRUTSAERT 1982):
[4.13]
e = Dampfdruck in 2 m in hPa
T = Lufttemperatur in 2 m in Kelvin
σ = STEFAN-BOLTZMANN-Konstante
Um die Abnahme der Gegenstrahlung mit der Höhe z nach dieser Gleichung berechnen zu können, wurden die zum Zeitpunkt des Satellitenüberfluges an Stationen im REKLIP-Gebiet durch die Wetterdienste gemessenen Temperaturen und Dampfdruckwerte ausgewertet, um vertikale Temperatur- und Feuchteprofile zu berechnen.
Die terrestrische Emission E kann aus dem thermalen Kanal des Landsat berechnet werden (siehe Kap. 2.2.2). Aus den digitalen Zahlenwerten (DG) kann unter Verwendung einer Eichformel die Strahlungstemperatur T (in Kelvin) der Landoberfläche berechnet werden (SCHOTT & VOLCHOK 1985).
[4.14]
mit:
[4.15]
Da die Atmosphäre im gleichen Wellenlängenbereich Strahlung emittiert wie die Landoberfläche, muss dieser Einfluss auf die Satellitenmessung korrigiert werden. Diese Korrektur erfolgt wiederum höhenabhängig unter Verwendung des Digitalen Geländemodells. Dadurch wird die unterschiedliche Mächtigkeit der Atmosphäre über dem Oberrheingraben bzw. den umrahmenden Bergländern berücksichtigt.
Nachdem über Satellitenmessungen und verschiedene Strahlungsmodellierungen alle Teilkomponenten der Strahlungsbilanz für das REKLIP-Gebiet berechnet sind, können diese Datenebenen pixelweise addiert und die Strahlungsbilanz berechnet werden. Das Ergebnis ist eine flächendeckende Analyse der Strahlungsbilanz für den Zeitpunkt des Satellitenüberfluges unter Einbeziehung der durch Relief und Landnutzung verursachten Effekte.