Die einfachste und wichtigste Information über die Windverhältnisse an einem Ort kann mit der Windgeschwindigkeit und der Windrichtung zu einem bestimmten Zeitpunkt angegeben werden. Da die bodennahe Strömung mit grossen Schwankungen von Ort zu Ort oder auch von Zeitpunkt zu Zeitpunkt sehr turbulent ist, werden die Windangaben in Form von zeitlichen Mittelwerten erarbeitet. In der Regel werden für die Mittelungszeit 30 oder 60 Minuten, gelegentlich aber auch 10 Minuten gewählt (siehe Tabelle 4.5.1).
Für die vier ausgewählten Standorte innerhalb des Oberrheingrabens, Philippsburg, Freistett, Wyhl und Schwörstadt, an denen die Badenwerk AG Messmasten betreibt, sind die für den Zeitraum vom 1.1.1981 bis zum 31.12.1990 ermittelten Häufigkeitsverteilungen der Windgeschwindigkeit und Windrichtung in den Tabellen 4.5.2 bis 4.5.5 zusammengestellt worden. Die als halbstündige Mittelwerte aus 40 m über Grund vorliegenden Daten sind in 10 °-Richtungsklassen und 1 m s-1 Geschwindigkeitsklassen eingeteilt worden.
In den Tabellen sind die relativen Häufigkeiten jeder Klasse in Promille angegeben. Die letzte Zeile gibt jeweils die Häufigkeit an, mit der Windgeschwindigkeiten im Intervall von 0-1 m s-1, von 1-2 m s-1 etc. vorkommen. Die letzte Spalte liefert die Häufigkeit der Fälle, mit der der Wind aus den angegebenen Windrichtungsklassen weht.
Aus der Tabelle 4.5.3 für die Station Freistett ist ersichtlich, dass Windgeschwindigkeiten im Intervall von 1-2 m s-1 mit der grössten Häufigkeit auftreten. Als häufigste Windrichtung findet man 190-200 °. Dies erstaunt zunächst, wenn man von der Vorstellung ausgeht, dass sich das Gebiet grossräumig betrachtet mitten in der Westwindzone befindet. Es wird jedoch anhand der Häufigkeitsverteilung sofort deutlich, dass sich jeweils die Richtung des Rheingrabens in den Zahlen widerspiegelt. Dieses durch die Geländegestalt geführte Strömungssystem wurde von WIPPERMANN & GROSS (1981) und FIEDLER (1983) ausführlich beschrieben. Alle in der freien Atmosphäre aus Süd über West bis Nord kommenden grossräumigen Strömungen bilden sich im Oberrheingraben auf südliche Winde ab. Bei grossräumigen östlichen Anströmungen des Gebiets klappt die bodennahe Strömung im Oberrheingraben auf nördliche Windrichtungen um. Das in dem angegebenen 10-jährigen Zeitraum gemessene höchste Halbstundenmittel der Windgeschwindigkeit beträgt für Freistett 17,5 m s-1.
Für die nördlicher gelegene Station Philippsburg (Tabelle 4.5.2) ergibt sich eine sehr ähnliche Verteilung. Hier macht sich lediglich die Öffnung des Rheingrabens zum Kraichgau hin und die leichte Drehung des Rheingrabens bemerkbar. Am häufigsten treten die Windrichtungsklasse 210-220 ° und die Windgeschwindigkeitsklasse 2-3 m s-1 auf.
An der Station Wyhl (Tabelle 4.5.4), die nordwestlich vom Kaiserstuhl liegt, ist die häufigste Windrichtungsklasse 190-200 ° und die häufigste Windgeschwindigkeitsklasse 1-2 m s-1, vergleichbar mit Philippsburg (Tabelle 4.5.2) und Freistett (Tabelle 4.5.3). Dennoch ist die absolut höchste gemessene Geschwindigkeit mit 13,2 m s-1 deutlich niedriger als an den bei den nördlichen Stationen. Hierfür sind zwei Ursachen massgeblich. Die Station Wyhl befindet sich im Auwaldgebiet des Rheins mit einem etwa 20 m hohen Baumbestand, so dass der Abstand der Messhöhe (40 m) zur begrenzenden Oberfläche deutlich verringert ist. Zusätzlich verursachen die höheren Bergrücken der Vogesen im Westen und des Schwarzwalds im Osten ebenfalls ein stärkeres Abbremsen der Strömung (ADRIAN 1992).
Die in Tabelle 4.5.5 enthaltenen Ergebnisse für die Station Schwörstadt zeigen ein deutlich anderes Bild, da sie im engeren Hochrheintal liegt und hier dementsprechend die Strömungskanalisierung in West- bzw. Ost-Richtung dominiert (Windrichtungsklassen 260-280 ° und 80-90 °). Auch wenn das maximale Halbstundenmittel der Windgeschwindigkeit 18,6 m s-1 beträgt, ist die häufigste Windgeschwindigkeitsklasse 0-1 m s-1. Dabei ist zu beachten, dass die Kalmen gleichmässig auf alle Windrichtungsklassen verteilt worden sind. Spezielle Windphänomene in diesem Gebiet wurden von DÜTSCH (1985) untersucht und beschrieben und von ADRIAN (1995) weiter analysiert.
Interessant ist bezüglich der beobachteten Extremwerte der Windgeschwindigkeiten, dass sie an den vier Stationen alle bei einer anderen Wetterlage aufgetreten sind. Bei den Stationen Philippsburg und Wyhl handelte es sich um Wetterlagen, bei denen die Strömung entlang der Talachse aus Süden erfolgte. In Freistett stellte sich die höchste gemessene Geschwindigkeit bei einer Anströmung aus der Zaberner Senke ein. In Schwörstadt verursachte eine westliche Anströmung die maximale Geschwindigkeit. Man erkennt, dass jeweils nur eine relativ geringe Richtungsänderung der grossräumigen Anströmung genügt, um das bodennahe Windfeld aufgrund der Geländestruktur deutlich zu verändern, wodurch an manchen Stellen Düseneffekte entweder verstärkt oder abgeschwächt, an anderen Stellen Windschattenbereiche erweitert oder zurückgedrängt werden. An allen vier Stationen treten die höchsten Geschwindigkeitswerte im Januar oder Februar auf. Es handelt sich dabei um Stürme, die mit dem Durchzug intensiver Zyklonen verbunden sind.
Tab. 4.5.2: Häufigkeitsverteilung der Windgeschwindigkeit (v) und der Windrichtung (A) in Philippsburg.
Werte unter 0,1 ‰ sind nicht dargestellt worden.
Philippsburg 1981-1990 Anzahl der Werte: 150469 / Halbstundenmittel, Häufigkeiten in ‰

Tab. 4.5.3: Häufigkeitsverteilung der Windgeschwindigkeit (v) und der Windrichtung (A) in Freistett.
Werte unter 0,1 ‰ sind nicht dargestellt worden.
Freistett 1981-1990 Anzahl der Werte: 163556 / Halbstundenmittel, Häufigkeiten in ‰

Tab. 4.5.4: Häufigkeitsverteilung der Windgeschwindigkeit (v) und der Windrichtung (A) in Wyhl.
Werte unter 0,1 ‰ sind nicht dargestellt worden.
Wyhl 1981-1990 Anzahl der Werte: 158324 / Halbstundenmittel, Häufigkeiten in ‰

Tab. 4.5.5: Häufigkeitsverteilung der Windgeschwindigkeit (v) und der Windrichtung (A) in Schwörstadt.
Werte unter 0,1 ‰ sind nicht dargestellt worden.
Schwörstadt 1981-1990Anzahl der Werte: 139167 / Halbstundenmittel, Häufigkeiten in ‰
