Durch die stetige Veränderung der Landnutzung hat der Mensch seit jeher in das Klimageschehen eingegriffen. Wegen der gegenwärtig wesentlich rascheren und weiter verbreiteten Umgestaltung unserer Landschaft erfolgt die Beeinflussung der regionalen klimatischen Bedingungen merklich intensiver als in früheren Jahrhunderten und wird sich auch in Zukunft bei der Zunahme der Weltbevölkerung, dem Anwachsen der Ballungszentren, der Verstädterung ganzer Landstriche und der weiteren Industrialisierung fortsetzen. Ein sehr eindrucksvolles Beispiel zur nachhaltigen Veränderung der Landschaft am Oberrhein ist die Rheinbegradigung durch TULLA im letzten Jahrhundert. Diese Ingenieursleistung hat bis heute erhebliche Konsequenzen für den Grundwasserhaushalt, die Vegetationsverteilung entlang des Rheins und somit für das regionale Klima der Region. Aber auch heute vollziehen sich vor unseren Augen zahlreiche, in verschiedenen zeitlichen und räumlichen Skalen ablaufende, natürliche und anthropogen verursachte Änderungen in der Landschaft:
Im Jahresgang immer wiederkehrende natürliche Änderungen der Vegetationsbedeckung,
jahreszeitliche, durch die landwirtschaftliche Nutzung bedingte Veränderungen (Ernte, Fruchtwechsel etc.),
nachhaltige anthropogene Änderungen in der Landschaftsgestaltung, die vielfaltige Auswirkungen auf das Ökosystem besitzen (Wasserspeicherung, Erosionsschutz etc.). Ein Beispiel hierfür ist neben der Rheinbegradigung durch TULLA die Veränderung der Waldstruktur seit dem Mittelalter. Die umfangreichen Waldnutzungen vergangener Jahrhunderte haben aus dem ehemals zu über 60 % aus Buchen und Tannen zusammengesetzten Schwarzwald einen vorwiegend von Fichten dominierten Wald (Verfichtung) gemacht (BRÜCKNER 1980). Ein Vergleich des heutigen Erscheinungsbildes von Vogesen und Schwarzwald zeigt, dass diese Veränderungen beiderseits des Rheins in unterschiedlicher Weise abgelaufen sind. Der Laubwaldanteil in den Vogesen ist gegenüber dem des Schwarzwalds heute deutlich höher.
Neben diesen, sich z.T. über viele Jahrhunderte erstreckenden Prozessen, haben sich auch viele kleinräumige Veränderungen innerhalb kurzer Zeiträume ereignet, deren klimatische Folgen eher im lokalen Massstab zu suchen sind. Durch die umfangreichen Rebumlegungen, z.B. im Kaiserstuhl, hat sich vielerorts die geländeklimatische Situation geändert. Die Zunahme des Frostrisikos auf den neugestalteten Rebterrassen ist durch zahlreiche Arbeiten belegt (ENDLICHER 1980).
Da der Oberrheingraben eine wichtige wirtschaftliche Entwicklungsachse innerhalb Europas bildet, ist es auch hier in den vergangenen Jahrzehnten zu erheblichen, häufig schleichenden Veränderungen in der Landnutzung gekommen. Das Wachstum der Städte und Gemeinden sowie der zunehmende Landschaftsverbrauch für Industrie und Verkehr haben in allen drei Ländern des REKLIP-Gebietes deutlich zugenommen. Diese zunehmende Zersiedlung und Versiegelung der Landschaft hat direkte Auswirkungen auf den Wärmehaushalt und damit auf das lokale sowie regionale Klima.
Die Liste der Veränderungen ist beliebig verlängerbar. Viele Änderungen nehmen wir jedoch kaum wahr, da sie sich nur sehr langsam vollziehen. Da verlässliche und vollständige Vergleichsdaten aus früheren Jahrzehnten kaum vorhanden sind, lassen sich die mit diesen Veränderungen verbundenen klimatischen Trends nur schwer quantifizieren. Ein Ziel des REKLIP-Projektes ist es, Daten und Analysemethoden zu erarbeiten, um diese schleichenden Veränderungen in unserer Umwelt und ihre Auswirkungen auf das regionale Klima zu untersuchen. Eine aktuelle, grenzüberschreitende, nach einheitlichen Kriterien erarbeitete Landnutzungsklassifikation des REKLIP-Gebietes ist ein unerlässlicher Datensatz, um die Wechselwirkungen zwischen Erdoberfläche und Atmosphäre besser zu verstehen und bildet damit einen wichtigen Beitrag zur regionalen Klimatologie.