Für die kartographische Darstellung von Klimaelementen ist eine solide Datenbasis aus abgesicherten Daten vonnöten. Schliesslich kann eine Klimakarte immer nur so gut sein wie das ihr zugrundeliegende Datenmaterial. Darüber darf auch eine noch so perfekte Kartengestaltung nicht hinwegtäuschen.
Die meisten Klimaelemente hängen von einer Reihe von Einflussgrössen (z.B. geographische Breite, Höhenlage, Geländeform, Landnutzung) ab. Neben Klimadaten sind deshalb auch topographische Daten eine notwendige Voraussetzung für die Berechnung der flächendeckenden Verteilungen der Klimaelemente, die direkt nur an einzelnen Stützstellen, d.h. den Messstationen, vorliegen. Oft erlauben auch landschaftsbezogene Daten erst eine genauere Zuordnung der dargestellten Strukturen eines Klimaelementes zu ihren geographischen Positionen. Mit einer als Kartenhintergrund aufgedruckten Zusatzinformation wie Schummerung, Lage der Orte, Gewässer- oder Strassennetz wird die Orientierung auf den Karten wesentlich erleichtert. In diesem Klimaatlas ist daher zur Herstellung der Klimakarten von der Verknüpfung der direkt gemessenen Daten und modernen, hochaufgelösten Datensätzen, wie beispielsweise der Geländehöhen und der Landnutzung, intensiv Gebrauch gemacht worden.
Das zur Erstellung der Karten für die einzelnen Klimaelemente benutzte Datenmaterial wird in den entsprechenden Kapiteln näher beschrieben. Die Lage der Messstationen ist in Karte 2 dargestellt, wobei die zu den verschiedenen Messnetzen gehörenden Stationen mit unterschiedlichen Farben kenntlich gemacht sind. Zusätzlich ist eine Liste der verwendeten Beobachtungsstationen mit Angaben der Betreiber und der jeweiligen, dort beobachteten Klimaelemente im Anhang A beigefügt.
Klimakarten zeigen die auf einen Zeitpunkt bezogene oder über einen Zeitabschnitt (z.B. Monat) statistisch aufbereitete Verteilung klimatischer Grössen. Vor deren Entwurf müssen das Datenmaterial genau analysiert und die räumliche und zeitliche Abhängigkeit der einzelnen Klimaelemente von ihren Einflussgrössen bestimmt werden. Dies geschieht mit Hilfe statistischer Verfahren. Zur Weiterverarbeitung der für die Stationsstandorte vorhandenen Klimaelemente zu flächendeckenden Karten gibt es im Wesentlichen drei Methoden:
- Interpolationsverfahren,
- Regressionsmethoden,
- Modellrechnungen.
Bei den Interpolationsverfahren wird zwischen den nur punktuell vorhandenen Stationswerten interpoliert. Die Anwendung dieser Verfahren allein eignet sich nur für ebenes oder topographisch wenig gegliedertes Gelände, besonders bei Klimaelementen mit einer relativ schwachen Abhängigkeit von weiteren Einflussgrössen. Oft wird ein Interpolationsverfahren (z.B. Kriging) mit einer Regressionsrechnung verknüpft.
Bei den Regressionsmethoden wird nach der Abhängigkeit des darzustellenden Klimaelementes von seinen Einflussfaktoren (z.B. Topographie, Landnutzung) gesucht. Dies geschieht mit geostatistischen Analyseverfahren, beispielsweise mit der Regressionsanalyse, der Hauptkomponentenanalyse, der Aurelhy-Methode oder auch mit der Cluster-Analyse. Die gefundene Abhängigkeit wird als Regressionsfunktion dargestellt. Unter der Voraussetzung, dass die topographischen Einflussgrössen flächendeckend bekannt sind (als Raster mit genügend grosser Auflösung), lässt sich das nur an diskreten Punkten bekannte Klimaelement flächendeckend darstellen, indem für jedes Flächenelement mit der Regressionsfunktion der entsprechende Wert berechnet wird.
Die Analyse der Klimadaten eines Ortes oder auch die Unterschiede von Ort zu Ort werden oft durch Inhomogenitäten oder gar Lücken in den Beobachtungsreihen erschwert. Ursachen für diese zeitlichen oder auch räumlichen Inhomogenitäten sind z.B. Stationsverlegungen, Beobachter und Instrumentenwechsel, Änderungen in der Stationsumgebung oder in der Mess- und Auswertetechnik (KALB 1980, SCHIRMER et al. 1987, PAESLER 1983). Eine weitere Quelle für Inhomogenitäten ist die Verwendung von Datensätzen aus verschiedenen Ländern, wie im vorliegenden Fall aus den drei Anliegerstaaten des mittleren und südlichen Oberrheingrabens. Diese verwenden zum Teil unterschiedliche Methoden und richten sich nach unterschiedlichen Vorschriften für die Datenerhebung und Datenbearbeitung. So sind beispielsweise die Ablesetermine nicht einheitlich. Ausserdem wurden im Laufe der Zeit in den einzelnen Ländern zur Mittelbildung einzelner Klimaelemente abweichende Formeln (KALB & NOLL 1980) eingeführt.
Um vergleichbare Datensätze zu erhalten, müssen die Daten erst homogenisiert, d.h. von witterungsfremden Einflüssen befreit werden. Durch zum Teil aufwendige Umrechnungen (Reduktionen) unter Einbeziehung der Daten vergleichbarer Nachbarstationen können brauchbare Datensätze für die weitere Bearbeitung gewonnen werden. Als allgemeines Verfahren wird dazu die Regressionsrechnung verwendet. Zur Vereinfachung der Reduktion wird bei Temperaturdaten oft auf die Differenzenmethode und bei Niederschlagsdaten auf die Quotientenmethode zurückgegriffen (PAESLER 1983).
Die Klimadaten einer Station lassen sich nur auf ein begrenztes Gebiet in ihrer Umgebung übertragen, da sie von dessen Orographie und Landnutzungsart abhängen. So sind beispielsweise Messungen an Stationsorten in Ebenen im Allgemeinen für ein grösseres Gebiet repräsentativ als solche in Tälern. Daher sollten für kartographische Darstellungen in Abhängigkeit vom Massstab ausreichend viele verschiedenartige Geländeformen, Höhenbereiche und die wichtigsten Landnutzungen durch Messstationen repräsentiert werden.
Die für einen vorgegebenen Kartenmassstab erforderliche Stationsdichte wächst mit der räumlichen Variabilität der betreffenden klimatischen Grösse, zum Beispiel besonders beim Niederschlag. Sie kann verringert werden, wenn wie bei der Lufttemperatur eine enge Beziehung zu bekannten Einflussgrössen besteht, z.B. zu topographischen Daten, die für eine räumliche Extrapolation benutzt werden können.
Die für klimatologische Zwecke erforderliche Mindestlänge von Beobachtungsreihen ist von der Schwankungsbreite des betrachteten Klimaelementes abhängig (SCULTETUS 1969). Dabei muss ein genügend langer Zeitraum berücksichtigt werden, damit statistisch gesicherte Werte abgeleitet werden können. Zusätzlich müssen die Daten der einzelnen Beobachtungsreihen aus einem vergleichbaren Zeitraum stammen (HÖSCHELE & KALB 1988). International wurde - abgesichert durch entsprechende Untersuchungen - die Länge von 30 Jahren als für solche Arbeiten ausreichend festgelegt, damit einzelne Beobachtungsabschnitte, beispielsweise ein extremes Jahr, möglichst keinen sichtbaren Einfluss auf die Gesamtdarstellung haben. Häufig sind diese Bedingungen jedoch nicht vollständig erfüllbar. In solchen Fällen müssen homogene Teilreihen auf den Gesamtzeitraum reduziert werden.
Wie bei anderen, neueren Klimaatlanten wird in diesem Atlas für die meisten Parameter auf die Beobachtungsperiode 1951-1980 zurückgegriffen. Für einzelne Klimaelemente reichen jedoch kontinuierliche Messungen an etlichen Stationen nur bis in die siebziger Jahre zurück, so dass erst durch Hinzunahme auch von kürzeren Klimareihen aus der jüngsten Vergangenheit genügend viele Klimareihen zur Verfügung stehen, um eine ausreichende räumliche Auflösung im Hinblick auf die Regionalklimatologie zu gewährleisten. So greifen die Karten für die Klimaelemente Globalstrahlung und Sonnenscheindauer auf Beobachtungsmaterial aus den Jahren 1976-1989 zurück, und für die des Windes wurde ein gegenwartsnaher, für viele Stationen unterschiedlicher Zeitraum von ein bis zehn Jahren Länge benutzt.
Während sich die Mittelwerte von Klimaelementen über einen 30 jährigen Zeitraum durchaus noch etwas verändern können, bleibt aber die Struktur ihrer Verteilung (etwa die örtliche Lage der Maxima und Minima eines Klimaelementes) über einen wesentlich längeren Zeitraum unverändert. Diese hängt hauptsächlich von den örtlichen Einflussfaktoren ab. Solange sich letztere nicht wesentlich ändern, bleibt dementsprechend auch die Verteilungsstruktur der Klimaelemente erhalten.
Der Entwurf von Klimakarten setzt spezielles Fachwissen voraus. Der Klimatologe muss sich durch gründliche Analyse der Messreihen, durch Informationen über lokale Einflussgrössen und durch Einbeziehung neuester Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung die zur Erstellung notwendigen Kenntnisse erwerben. Jede Karte enthält also nicht nur statistisch ausgewertete Messdaten, sondern trotz ihrer EDV-gestützten Erstellung auch ein gewisses Mass an Subjektivität des Klimatologen, der das Kartenbild infolge der Auswahl seiner Mittel bei der Bearbeitung und Gestaltung beeinflusst.